Schulsysteme weltweit – Russland

Das heutige Schulsystem wurde im Jahr 1992 grundlegend reformiert. Nach dem Ende der Sowjetunion, gab es einen Bedarf, dass Schulsystem unideologischer werden zu lassen und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Vormals war das alte Schulsystem eher starr an die Planwirtschaft angelehnt und zielte darauf ab Spezialisten auszubilden, also so wie früh wie möglich zu selektieren, welcher Schüler beispielsweise gut in Mathematik ist.

Gleich vorweg ist festzuhalten, dass das russische Schulsystem von der Struktur dem deutschen System sehr ähnelt.

In Russland gibt es ähnlich wie in Deutschland die Möglichkeit, nachdem man die 9te oder die 10te Klasse absolviert hat, eine Ausbildung anzufangen. Natürlich kann man auch die Oberstufe für zwei weitere Jahre besuchen und eine Hochschulzugang erreichen.

Positiv zu erwähnen ist, dass es gratis ist an staatlichen Universitäten zu studieren, auch wird der Austausch mit ausländischen Universitäten sehr gefördert.

Beispielsweise hat die Freie Universität in Berlin ein Partnerbüro in Russland, dieses wird in Moskau unterhalten. Viele Studiengänge werden mittlerweile auch in Englisch angeboten. Dieses gilt vor allem für die Städte in Sankt Petersburg und Moskau.

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Auch sind russische Abschlüsse anerkannt.

Es ranken sich auch hartnäckig einige Vorurteile und Klischees über das russische Schulsystem, nachfolgend werden wir uns einige näher angucken und schauen, wo es noch Verbesserungsbedarf im russischen Schulsystem gibt

 Russland Puppe

Sind russische Schulen strenger?

Disziplin ist etwas, welches immer mitschwingt, wenn man an eine russische Schule denkt. Dieses ist vielleicht an „die russische Schule“ angelehnt, welches im Ballett landläufig für besonders herausfordernd gleichzusetzen ist.

Es gibt nach wie vor viele staatliche Sportinternate mit harten Aufnahmeprüfungen. Aus allen Landesteilen kommen hier die besten Kinder zwei Mal jährlich hingereist, um ihre Talente fördern zu lassen.

Generell gilt auch in Russland Frontalunterricht als Standard und moderne pädagogische Methoden sind seltener anzutreffen. Das Auswendiglernen ist an russischen Schulen nach wie vor weit verbreitet.

Die Disziplin wird hochgehalten, auch wenn es natürlich nicht immer Ernst zu gehen muss und Humor auch wichtig ist, um die Schüler für sich zu begeistern. So gilt der Lehrer an russischen Schulen immer als eine Autoritätsperson und weniger als vielleicht bei neuen modernen Schulformen als Potentialentfaltungscoach.

 

Sind russische Kinder besser in Mathe?

Russland fördert traditionell sehr stark den Bereich Naturwissenschaften und ist dort auch am Austausch mit anderen europäischen Universitäten interessiert.

Auch kommen bis heute noch viele starke Schachspieler im Juniorenbereich aus Russland, da sehr viel wert gelegt wird auf analytisches Denken. Bei Junioren Weltmeisterschaften im Schach und auch bei der Matheolympiade schneiden russische Kinder und Jugendliche traditionell gut ab.

Kurzum kann man sagen, dass durch die traditionelle Ausrichtung auf die Mint-Fächer und ein gewisser Stolz auf Errungenschaften in der Physik und Mathematik ein leicht erhöhtes Grund-Niveau festzustellen ist.

 Russland Schule

Ausblick des russischen Schulsystems

Wladimir Putin forderte unlängst eine Bildungsoffensive. Ein Problem ist, dass viele alte Lehrer auch noch nach dem Ruhestand unterrichten und es an jungen Nachwuchskräften mangelt. Um dem entgegenzuwirken wurde die Initiative „Lehrer für Russland“ ins Leben gerufen. Ähnlich wie bei dem deutschen Vorbild „Teach First“ geht es darum, dass junge Absolventen zunächst ermutigt werden sollen als Lehrer tätig zu werden, auch ohne eine pädagogische Ausbildung.

Da es in Russland ein Stadt-Land Gefälle gibt, ist auch Ziel der Initiative Perspektiven aufzuzeigen, gerade was die Berufswahl betrifft. Oftmals fehlt es am Glauben, da es gewisse Berufe schlichtweg nicht gibt auf dem Land oder die finanziellen Sorgen und Nöte zu groß sind und man sich eher einen klassischen Beruf aussucht.

Generell wäre es auch angebracht den Beruf des Lehrers aufzuwerten, auch gerade finanziell, damit junge Absolventen einen höheren Anreiz haben.

Aber auch ohne Geld ist es möglich Neugier und Kreativität bei den Kindern und Jugendlichen zu wecken und eine aktive Diskussionskultur im Unterricht zu fördern. Ähnlich dem deutschen Vorbild arbeiten Moskauer Universitäten an einem Modell, ähnlich des Referendariats, damit Lehrer methodisch einen leichteren Einstieg haben und vielleicht nicht die alten Denkmuster von Kollegen übernehmen.

 


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