"Der Marshmallow Test" - Die Effekte der Willensstärke

Der alt bekannte "Marshmallow Test" liegt jetzt schon mehr als vierzig Jahre zurück und sorgte damals für große Aufruhr. Durchgeführt wurde das Experiment von dem US-amerikanischen Persönlichkeitspsychologen und seinem Forschungsteam, das sich mit Themen der Selbstregulierung und Willensstärke auseinander setzte. Heute zählen die Ergebnisse des Marshmallow-Tests zu den bedeutendsten Erkenntnissen der Psychologie. Der Test läuft folgendermaßen ab: Ein Kind sitzt an einem Tisch, vor ihm liegt ein Marshmallow platziert. Es hat die Wahl, diesen sofort zu essen, oder ein wenig abzuwarten, um anschließend einen zweiten zu bekommen. Einigen Kindern gelang es sich zu gedulden, andere konnten der zuckrigen Süßigkeit nicht widerstehen. 
Natureich Willenskraft trainieren

Mehr Selbstvertrauen und größere Widerstandsfähigkeit

Erst Jahre nach dem Experiment stellte Mischel neue Erkenntnisse fest. Kinder, die in der Lage waren ihre Wahrnehmung zu beeinflussen, ihre Selbstkontrolle zu beherrschen und somit die Geduld aufbrachten abzuwarten, gelang es im Erwachsenenalter besser, sich zu beherrschen. Im Vergleich zu den Kindern, die innerhalb kürzester Zeit zur Leckerei griffen, konnten sie ein besser entwickeltes Selbstvertrauen vorweisen. Auch eine eine höhere soziale Kompetenz und Stressresistenz zeigten sich zum Vorteil. Die Fähigkeit zum Aufschieben von Belohnungen zeigte sich bei den Kindern später auch deutlich in der Art und Weise der Lebensführung.

In seinen Erkenntnissen hält Mischel fest, dass die Willensstärke als Leitkompetenz gilt und in ursächlichem Zusammenhang mit der emotionalen Kompetenz steht. Daraus folgert er, dass die Selbstkontrolle eine grundlegende Bedeutung für das sozial angepasste Handeln ist. Durch die Steuerung unserer Wahrnehmung verbessern wir auch unsere Selbstkontrolle.Nichts desto trotz ist das richtige Mittelmaß hier von hoher Bedeutung. Zu viel ebenso wie zu wenig Kontrolle kann gleichermaßen zur Herausforderung werden. Doch wo liegen die Quellen einer besseren Willenskraft? Ist diese erlernbar oder sogar genetisch bedingt? Diese Fragen beantwortet Mischel mit der Tatsache, dass Menschen definitiv in der Lage sind, sich verschiedene Strategien zur Verbesserung der Selbstkontrolle anzueignen.

Kinder lernen

Die Möglichkeit zur Veränderung gibt es immer 

"“Der Teil des Gehirns, der vorne, direkt hinter der Stirn liegt. Hier sitzen die Imagination, die Impulskontrolle und die Fähigkeit, sich die Zukunft vorzustellen. Ich nenne dieses das Cool System. Anders als das Hot System ist es nicht reflexartig, sondern reflektiv. Es erlaubt uns, Probleme anders zu lösen, statt bloß reflexhaft zu reagieren."“
Diese motivierende Feststellung macht deutlich, dass die Gehirn-Architektur weder durch den Entwicklungsprozess im Mutterleib, noch durch die Erbinformation vorbestimmt ist. Veränderungen sind also jederzeit möglich.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass wir nicht nur reflexartig auf äußerliche Reize reagieren, sondern mit diesen auf verschiedene Art und Weise umgehen können. Wie bewusst wir unsere Wahrnehmung dabei steuern, liegt an uns und ist jederzeit ausbaufähig. Für eine verbesserte Selbstkontrolle bedarf es also Übung und Geduld. 

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